Frauenministerin mit Verständnisproblemen

Sie „verstehe die Mutter-bleib-beim-Kind-Mentalität nicht“, gab Frauenministerin Heinisch-Hosek freimütig zu, als sie am 1. Mai von einer Standard-Journalistin interviewt wurde. Sie wünsche sich vielmehr,

„…dass unsere Kinder möglichst schnell in gute Betreuungseinrichtungen kommen und beide Eltern arbeiten können, damit sie ihren Lebensstandard erhalten oder verbessern können.“
 „Mittlerweile sollten alle erkannt haben, dass wir das Potenzial von Frauen ökonomisch nutzen müssen.“

Dass Heinisch-Hosek als SPÖ-Frauenvorsitzende mit einem ideologischen Zugang ins Amt gestartet ist, soll ihr niemand vorwerfen. Dass sie es aber in bald vier Jahren als Frauenministerin nicht geschafft hat, die Wünsche der Mehrheit der Frauen zu verstehen, ist einfach nur ignorant. Vier von fünf Frauen die sie vertreten sollte sind entweder Mütter, oder werden noch Kinder bekommen. Heinisch-Hosek hätte die Wünsche der Mütter aus zahlreichen Untersuchungen herauslesen können. Z.B. hat die Akademie der Wissenschaften herausgefunden, dass nur 9 Prozent der Mütter Vollzeit arbeiten wollen, solange sie Kinder unter 6 Jahren haben, 49 Prozent wollen Teilzeit arbeiten und 42 Prozent würden gerne ganz zu Hause bleiben (Gisser-Studie). Auch der Jugendmonitor zeigt, dass 78% der jungen Frauen ihre Kinder bis mindestens zum 3. Lebensjahr, 31% bis zum 6. Lebensjahr zu Hause betreut wissen wollen.

Offensichtlich versucht die Frauenministerin nicht einmal, ihr Verständnisproblem in ihrer alltäglichen politischen Arbeit zu beheben. Immerhin erklärt sie, sich bei Betriebsbesuchen nach den Wünschen der Arbeitgeber, nicht aber nach den Wünschen der Teilzeit berufstätigen Mütter zu erkundigen. Natürlich sollen arbeitsrechtliche Vorschriften auch Unternehmerinteressen berücksichtigen, Wirtschaftstreibende machen unseren Wohlstand erst möglich. Das Ziel muss aber eine Lösung sein, die die Wünsche beider Seiten berücksichtigt.
Dass allerdings eine sozialdemokratische Ministerin ausgerechnet am Tag der Arbeit eine doppelte Vollzeitberufstätigkeit fordert, um den Lebensstandard der Familie zu erhalten, ist ziemlich schräg. Die Gründerväter von SPÖ und ÖGB hatten sich noch auf die Fahnen geschrieben, Der Lohn einer 40-Stunden-Arbeit muss eine Familie ernähren!

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3 Responses to Frauenministerin mit Verständnisproblemen

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  2. hsv says:

    Frau Heinisch-Hosek versteht die “Mutter-bleib-beim-Kind-Mentalität” nicht – Frau Heinisch-Hosek ist nicht Mutter. Nur dadurch ist das zu erklären.

    Vielleicht sollte Frau Heinisch-Hosek sich darum bemühen, Teilzeit-Anstellungen gerechter zu gestalten, anstatt eine Kampagne gegen Teilzeit zu fahren und Mütter in Vollzeitbeschäftigungen drängen zu wollen. Mütter mit kleinen Kindern wollen nämlich meist nur Teilzeit arbeiten und den Rest ihrer Zeit bei ihrem Kind verbringen!

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