Wie in der DDR? 1.) Die Betreuungsdauer

In der Betreuungsdebatte wird der Ausbau der Krippen immer wieder mit der Situation in der DDR verglichen. Bewegen wir uns wirklich darauf zu? Der Spiegel schrieb im Jahr 1990:

„In der DDR dagegen ist es üblich, daß Windelkinder kurz vor ihrem ersten Geburtstag, wenn bei ihrer Mutter das mit 70 Prozent des Gehalts finanzierte Babyjahr zu Ende geht, erst stundenweise an die Krippe gewöhnt werden und schließlich ganztags bleiben wie 355 000 Ein- und Zweijährige.“

In Österreich hat die Regierung im Oktober 2011 den Beschluss gefasst, jährlich 30 Millionen Euro an Steuergeldern (Die Bundesländer tragen 50%) in die Schaffung neuer Kinderbetreuungsplätze zu stecken. Mindestens 75% davon müssen in Plätze für unter 3-Jährige fließen, die höchste Fördersumme gibt es für „Mit einer Vollbeschäftigung der Eltern zu vereinbarende Kinderbetreuung“.

Wie lange sollen sich die Kleinstkinder bei einer solchen Betreuung in der Krippe aufhalten? Der Beschluss der Regierung gibt vor:

“- mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr,
 - mindestens 45 Stunden wöchentlich,
 - werktags von Montag bis Freitag,
 - an vier Tagen wöchentlich mindestens 9½ Stunden

Wir können bezüglich Betreuugsdauer keinen Unterschied zwischen dem Wunschmodell unserer Regierung und dem Standardmodell der DDR erkennen. Doch je mehr Zeit Kleinkinder in Fremdbetreuung verbringen, um so größer ist ihr Risiko für soziale Auffälligkeit, darüber sind sich alle Forscher einig!

Fortsetzung folgt

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4 Responses to Wie in der DDR? 1.) Die Betreuungsdauer

  1. hsv says:

    Da frag ich mich als Mutter ganz egoistisch: Wozu bekomm ich dann überhaupt Kinder?

  2. Pingback: Krippenmanie auch in Österreich | Kreidfeuer

  3. Pingback: Woanders gelesen: Blick nach Österreich – Wie in der DDR 1. Betreuungsdauer | Deutsche Ecke

  4. Frauke Henning says:

    In der Tat erkennt man hier keinen Unterschied. Der Sozialismus/Kommunismus forderte, daß der Staat die Hoheit über die Kinderbetten haben solle, um sie ganz in seinem Sinne zu erziehen, zu prägen. Heute ist es die Lobby aus der Wirtschaft, die von der Politik das Wegorganisieren der Kinder verlangt und die meisten Politiker folgen aus Gender-Gründen ohnehin dieser Forderung mit vorauseilendem Gehorsam. In Brandenburg (D), wo wir wohnen, ist zudem in DDR-Tradition fast jede Mutter auch vollkommen bereit, ihr Kleinkind, manchmal sogar Babys, für 10 Stunden in die Einrichtung zu bringen. Sie sehen ihr Kind dann 2 Stunden am Abend. Wie hier eine Mutter-Kind-Bindung entstehen kann, bleibt ein Rätsel. Aber hier wird man schief angesehen, wenn man Kritik an dieser Praxis übt, vermutlich weil ihnen tief im Inneren das Bauchgefühl raunt, daß sie etwas falsch machen. Aber wer gesteht sich ein, selbst Krippenopfer gewesen zu sein? Das sind hier die meisten Mütter und Väter. Seien Sie in Östereich froh, daß die Gesellschaft davon noch weit entfernt ist!